Ferrum phosphoricum
Eisen(III)-phosphat
Dr. Wilhelm Heinrich Schüssler hat uns mit Ferrum phosphoricum ein Akutmittel von unschätzbarem Wert geschenkt, dafür sind wir ihm sehr dankbar. Zum Glück beschäftigte ich mich in den ersten drei Jahren meiner homöopathischen Tätigkeit vor allem mit Akutfällen, sonst hätte ich wohl einige ausgezeichnete Akutmittel nie richtig kennen gelernt.
Steckbrief von Ferrum phosphoricum
Beschreibung: Das Tetrahydrat (mit 4H2O) bildet ein gelbliches Pulver, das schwer löslich in Wasser, aber löslich in Mineralsäuren ist. Das Dihydrat (mit 2H2O) bildet farblose bis rosa gefärbte monokline Kristalle, die schwer löslich in Wasser und löslich in Säuren sind. Eisen hat seinen Namen aus dem gotischen isarn, was festes Metall im Gegensatz zur weicheren Bronze bedeutet.
Vorkommen: Eisen(III)-phosphat ist in ganz frischem Zustand ein farbloses oder weisses, perlmuttglänzendes Mineral, das bei Luftzutritt sofort infolge von Oxidation des Eisens blau wird. Es entsteht als Verwitterungsprodukt, wenn phosphathaltige Lösungen unter reduzierenden Bedingungen oder vor Sauerstoff geschützt mit Eisenerzen reagieren. Auch der umgekehrte Fall ist möglich, wenn eisenhaltige Gewässer auf Phosphaterze treffen. Eine weitere Eisen(III)-phosphat-Verbindung, der Chalkosiderit, findet sich als grünliche Verunreinigung im Türkis. Ein natürliches Eisen(II)-phosphat ist der Vivianit (Blaueisenerz).
Chemische Eigenschaften: Eisenphosphat entsteht, wenn man Lösungen von Eisen(III)-Salzen und Alkaliphosphaten mischt. Eisenionen sind bei neutralen pH-Werten im Wasser unlöslich, und es kommt zur Bildung von Eisenhydroxid. Nur in sehr sauren Lösungen bleibt Eisen löslich, deshalb kann ein Mangel an Magensäure zu Eisenmangel führen.
Bedeutung für Lebewesen: Eisen(III)-phosphat spielt in dieser Form für Lebewesen praktisch keine Rolle. Hingegen enthält der menschliche Körper ca. 4 g Eisen, drei Viertel davon im Hämoglobin als zentraler Baustein des Häms in den roten Blutkörperchen. Dort bindet der Sauerstoff direkt an das Eisenion an. Besonders eisenreiche Nahrungsmittel sind Schweineleber (19 mg Eisen auf 100 g), Rindsleber (7 mg), Kaviar (12 mg), Weizenkeime (9 mg), weisse Bohnen (6 mg), hingegen liegt Spinat (3 mg) nur im Mittelfeld. Das Eisen in der Nahrung wird mit der Magensalzsäure herausgelöst. Jedoch werden nur einige Prozente auch ins Blut aufgenommen, von wo es in die Leber, das Knochenmark und die Muskeln wandert. Für die Pflanzen gehört Eisen zu den Spurennährelementen, es beeinflusst die Photosynthese sowie die Bildung von Chlorophyll und Kohlenhydraten.
wichtige Verwandte: Ferrum metallicum
Wirkung und Anwendung von Ferrum phosphoricum in der Homöopathie
Ferrum phosphoricum kommt vor allem bei beginnenden fieberhaften Erkrankungen in Frage. Oft sind die Symptome noch wenig ausgeprägt: frieren und Hitze im Wechsel, Zerschlagenheitsgefühl und Müdigkeit (Kinder liegen herum wie «tote Fliegen»). Rote Bäckchen (rote Flecken auf Hals oder Brust) und fiebrig glänzende Augen lassen einen zum Fiebermesser greifen – und man ist über das bereits hohe Fieber überrascht. Keine Panik! Bei dieser Sachlage hilft Ferrum phosphoricum sehr zuverlässig. Egal, ob es sich um eine beginnende Grippe, Ohren-, Mandel- oder Lungenentzündung handelt. Wir haben übrigens mehrere Grippewellen erlebt, wo sich Ferrum phosphoricum als wichtigstes Heilmittel herauskristallisiert hat (Genius epidemicus).
Bei plötzlichem hohem Fieber denken wir auch an Aconitum und Belladonna. Es ist nicht schwierig, sie gegenüber Ferrum phosphoricum abzugrenzen. Ferrum phosphoricum ist im Vergleich zu Aconitum und Belladonna weniger stürmisch. Obwohl in den Büchern auch über den ruhelosen ‹Ferrum-phosphoricum-Patienten› berichtet wird, verordnen wir dieses Heilmittel praktisch ausschliesslich ruhigen, müden Patienten. ‹Gelsemium-Patienten› sind auch ruhig, aber eine Gelsemium-Grippe kommt langsam und schleichend. Zudem steigt das Fieber selten über 38.5 °C. Gelsemium ist noch eine Stufe träger. Spielen oder lesen ist bei Gelsemium-Fieber nicht mehr möglich. ‹Ferrum-phosphoricum-Kinder› können sich hingegen sogar bei hohem Fieber noch beschäftigen.
Ferrum phosphoricum passt eher zu blassen, blutarmen, nervösen und sensiblen Menschen. Um einen «Aconitum-Zustand» hervorzubringen braucht es kräftigere, vollblütige Menschen. Der Unterschied in der Intensität lässt sich auch am Puls erfühlen, er ist bei beiden voll, aber bei ‹Ferrum phosphoricum› weich und bei ‹Aconitum› hart.
Ferrum phosphoricum beinhaltet die Energie von Ferrum und von Phosphorus, zwei in der Homöopathie gut bekannte Elemente. Jedes der beiden Elemente hinterlässt in dem daraus gebildeten Ferrum-phosphoricum-Salz seine Spuren. Einerseits die körperliche Schwäche und Schwere des Eisens und andererseits das «Feuer» und die hellroten Blutungen des Phosphors. Diese zwei verschiedenen Energien spürt man manchmal auch in den ‹Ferrum-phosphoricum-Patienten›: Fröhlichkeit wechselt mit Traurigkeit, Hitze mit Kälte, Blässe mit Röte, heisse Handinnenflächen, aber kalte Hände, Durst im Froststadium, kein Durst in der Fieberhitze.
Viele Ferrum-phosphoricum-Symptome kann man einem der beiden beteiligten Elemente zuordnen. Beispielsweise finden wir bei Ferrum die Neigung zu lokalen Blutansammlungen. Die generelle Blutungsbereitschaft, das Mitgefühl, die Ängstlichkeit sowie die besondere Beziehung zum Magen und zur Lunge sind bekannte Phosphorus-Symptome. Solche Analysen helfen, die Heilmittel besser zu verstehen und einfacher im Gedächtnis zu behalten.
Ferrum phosphoricum hilft oft bei Bronchitis kleiner Kinder. Es ist überhaupt ein sehr wichtiges Kindermittel. Das heisst nicht, dass es für Erwachsene von geringerem Wert ist, aber Kinder haben häufiger akute Krankheiten. Besonders während der Zahnung sollte man an Ferrum phosphoricum denken. Es ist in dieser Zeit bei Fieber, Erkältungen oder Durchfall hilfreich. Wenn Kinder noch das Glück haben, Kinderkrankheiten durchzumachen, können sie diese wichtigen Lektionen mit Ferrum phosphoricum sanfter lernen (besonders bewährt bei Masern mit Bindehautentzündung). Wie erwähnt, hilft Ferrum phosphoricum auch bei heftig pulsierenden Ohrenschmerzen (Mittelohrentzündung), oder wenn nach einer Erkältung Schwerhörigkeit auftritt.
Blutungen sind ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet für Ferrum phophoricum. Blutgestreifter Auswurf, blutgestreifter Stuhl, Blutansammlung im Kopf (Kopfschmerz bessert durch Nasenbluten!) oder in der Lunge, insbesondere bei hellroten Blutungen, egal aus welcher Körperöffnung. Nasenbluten bei Kindern oder Blutungen und Wundschmerz nach Operationen (z. B. Mandeloperation) sind bewährte Indikationen für Ferrum phosphoricum.
Ferrum phosphoricum empfiehlt sich ebenfalls bei Magen-Darm-Beschwerden, speziell bei Sommerdurchfällen oder wenn Speisen kurz nach dem Essen erbrochen werden (Blut im Erbrochenen oder im Stuhl sind für die Mittelwahl eine Bestätigung).
Ähnlich wie Phosphorus hilft Ferrum phosphoricum bei Heiserkeit nach Stimmüberlastung (Redner und Sänger).
Die folgenden homöopathischen Heilmittel haben einen hohen Eisengehalt, deshalb bestehen Berührungspunkte mit Ferrum und Ferrum phosphoricum: Aconitum napellus (plötzliches hohes Fieber), Arnica (Blutungen), China (Blutarmut), Gelsemium (Grippe mit Müdigkeit), Phytolacca (Mandelentzündungen) und ganz besonders Graphites (Blutansammlung, erröten, Trägheit).
Wirkt bevorzugt auf:
- die Ohren, Luftwege, Muskeln und Gelenke, Magen-Darmkanal, Blutgefässe.
Passt besonders zu:
- blutarmen, nervösen, sensiblen Patienten mit Neigung zum Erröten im Gesicht.
Hauptindikationen:
- Fieber (auch hohes) bei Infekten
- Grippe
- Erkältung
- Zahnungsbeschwerden
- Mittelohrentzündungen
- Tubenkatarrhen
- Bronchialbeschwerden besonders Bronchitis der Kleinkinder
- beginnende Lungenentzündung
- Magen-Darmentzündungen
- Bettnässen
- Gelenkrheuma
Symptome:
- Rote Flecken im Gesicht, am Hals und auf der Brust
- Ohrenschmerzen
- Röte des betroffenen Ohres bei Mittelohrentzündung
- Schmerzen in «allen» Muskeln und Gelenken (besonders Schultergürtel)
- Puls weich
- Füsse und Hände kalt oder heisse Handinnenflächen
Allgemeines:
Wichtiges Kindermittel / Frieren und Hitze im Wechsel. Frösteln mit Durst, gefolgt von Hitze ohne Durst / Grosse Müdigkeit, Schwäche (Patient will liegen). Kein oder nur wenig Schweiss / Abneigung gegen Eier.
Modalitäten:
Schlimmer durch:
Anstrengung, um 16 – 18 Uhr.
Besser:
mit kalter Kompresse bei Kopfschmerzen.
Bemerkung:
Ähnliche Symptome bei Fieber wie Aconitum (Aco.), aber ohne Angst.