Gelsemium
Falscher Jasmin
Gelsemium ist eine stark giftige Pflanze. Sie wird auch gelber oder falscher Jasmin genannt. Doch dieser Name ist irreführend, da es sich um keinen echten Jasmin handelt. In der Homöopathie ist Gelsemium ein wichtiges Mittel bei Grippe, Kopfschmerzen oder Erschöpfung.
Steckbrief von Gelsemium
Beschreibung: Der windende Kletterstrauch wird bis zu 5 Meter hoch. Sein Stamm ist dünn und besitzt eine rotgelbe bis purpurfarbene Rinde. Die immergrünen Blätter sind gegenständig, lanzettlich bis rundlich-lanzettlich und kurz gestielt. Die wohl riechende Blüte sitzt in den Blattachseln an kurzen Stielen, ihre Krone bildet einen leuchtend gelben Trichter von ungefähr 5 cm Länge. Die Frucht ist eine hängende, hellbraune Kapsel, die zwischen September und November reift. Ihre Samen sind rundlich, flach und an der Spitze geflügelt.
Blütezeit: März bis Mai
Verbreitung: Südöstliche Staaten der USA (Virginia bis Florida, Texas) und entlang der Ostküste Mexikos bis Guatemala.
Standort: Die Kletterpflanze wächst in Wäldern und Dickichten sowie entlang von Strassen und Viehzäunen. Gelsemium ist zusammen mit Smilax-Arten eine häufige Liane, die in den Wäldern küstennaher Ebenen der südöstlichen Vereinigten Staaten eine wichtige Komponente bildet.
Besonderheiten: Die Pflanze ist sehr stark giftig. Die Giftigkeit beruht auf Alkaloiden, die auf das zentrale Nervensystem wirken. Niedere Dosen wirken anregend, bei höheren Dosen stellen sich Schwindel, Sprachverlust, Sehschwäche, Muskelstarre und Gliederzittern ein. Atemlähmung führt schliesslich zum Tode. Die Othomi-Indianer stellten aus Gelsemium den Gifttrank «Bebo-sito» (gläserner Sarg) her, den sie bei Gottesurteilen und Racheakten gebrauchten.
verwendeter Teil: frischer Wurzelstock
wichtige Verwandte: Curare, Ignatia, Nux vomica, Spigelia
Beschreibung von Gelsemium in der Homöopathie
Im Zentrum unseres Bildes haben wir ein zitterndes Häschen, das gelähmt vor Angst nicht mehr fliehen kann. Lähmung ist ein zentrales Thema für Gelsemium: Der Geist ist träge, die ganze Muskulatur schlaff. Die Glieder sind so schwer, dass sie kaum bewegt werden können, selbst die Augenlider hängen herab, wodurch die Augen halb verschlossen sind (Schlafzimmerblick). ‹Gelsemium-Menschen› mangelt es an Selbstvertrauen, sie haben Angst, die Prüfungen, die das Leben bringt, nicht bestehen zu können. Öffentliche Auftritte, Examen, eine bevorstehende Geburt, eine Verabredung, schlechte Nachrichten lasten schwer auf ihnen. Sie werden dadurch wie gelähmt, fangen an zu zittern und kriegen Durchfall (vgl. Argentum nitricum). Deshalb wird Gelsemium auch das «Zittermittel» genannt. Manchen ‹Gelsemium-Patienten› gelingt es allerdings sehr gut, ihre Angst und Nervosität zu verbergen. Gelsemium eignet sich auch sehr gut zur Behandlung von Beschwerden, die nach einer Prüfung oder einer Gemütsbewegung auftreten.
Nebst der Erwartungsangst werden ‹Gelsemium-Menschen› von der Angst zu fallen beherrscht. Kinder halten sich krampfhaft fest, wenn man sie herumträgt oder im Kinderwagen bewegt. Zudem steht Gelsemium als einziges fett gedrucktes Heilmittel in der Rubrik «Furcht auf offenen Plätzen» (Agoraphobie). Steht jemand durch einen Schreck tief ergriffen, sprachlos, zittrig und «gelähmt» da, hilft ebenfalls Gelsemium. ‹Gelsemium-Menschen› sind wetterfühlig, sie haben Beschwerden bei feuchtem Wetter, Nebel, vor einem Gewitter, bei Hitze und besonders bei Föhnwetter (Hauptmittel). ‹Gelsemium-Patienten› sind apathisch, können die Augen kaum offen halten («Schlafzimmerblick») und wollen ihre Ruhe haben, allein in einem dunklen Raum sein. Nicht nur
die Kopfschmerzen, sondern alle Beschwerden bessern durch reichlichen Abgang von wässrigem Urin.
Die typische Gelsemium-Grippe tritt vorwiegend im Frühling oder Sommer auf. Sie beginnt langsam, und das Fieber steigt nur mässig (38 – 38.5 °C). Frösteln, besonders entlang der Wirbelsäule (läuft kalt den Rücken auf und ab), Benommenheit, Gliederschmerzen, schwere Beine, kein Durst und ein heisser, roter Kopf sind Bestätigungen für die Mittelwahl. Voegeli erwartete bei einer Gelsemium-Grippe (fast obligatorisch) am 5. Tag einen Rückfall und kurierte diesen sofort mit einer Gabe Gelsemium C200. Gelsemium ist auch angezeigt, wenn nach einer Grippe zittrige Schwäche und Schläfrigkeit zurückbleiben, die Patienten sich nicht mehr erholen.
Blutandrang zum Kopf (dunkelrot), ähnlich wie bei Belladonna, aber ohne die für Belladonna typische Unruhe. Im Gegenteil: ‹Gelsemium-Patienten› wirken apathisch, schläfrig und wie berauscht. Zum Gelsemium-Bild gehören auch Kreislaufstörungen mit Schwindel, langsamer Puls (in Ruhe). Angst, das Herz könnte stillstehen, wenn er sich nicht bewegt (beschleunigter Puls bei Bewegung), und tiefer Blutdruck.
Wirkung von Gelsemium in der Homöopathie
Gelsemium ist stark giftig, was sich auf das zentrale Nervensystem auswirkt. Das zeigt sich in Schwindel, Sprachverlust, Sehschwäche oder Muskelstarre. Eine Atemlähmung kann schliesslich sogar zum Tode führen.
In der Homöopathie ist Gelsemium ein bewährtes Mittel zur Behandlung von Kopfschmerzen mit vorangehender Sehstörung, Müdigkeit und Zittern. Die Schmerzen beginnen im Hinterkopf und erstrecken sich nach vorne. Bei Angstzuständen (Erwartungsangst, Prüfungsangst) kann Gelsemium ebenfalls unterstützen. Auch als Grippemittel bei langsamer Entwicklung und mässigem Fieber wird das Einnehmen von Gelsemium empfohlen. Es kann sogar als Grippe-Prophylaxe angewendet werden oder wenn man nach einer Grippe nicht mehr richtig auf die Beine kommt.
Wie erwähnt, ist Gelsemium auch ein wichtiges Geburtshilfemittel, vor allem bei Erstgebärenden, die nicht wissen, was auf sie zukommt, und vor Angst gelähmt sind (harter Muttermund).
Verwendung von Gelsemium in der Homöopathie
Bereits die Otomí, ein indigenes Volk in Mexiko, nutzten das Gift aus der Wurzel und stellten damit den Gifttrank «Bebo-sito» (gläserner Sarg) her, um es bei Gottesurteilen und für Racheakte einzusetzen. Im amerikanischen Bürgerkrieg wurde Gelsemium als Saft anstelle von Opium eingesetzt, da der lähmende Wirkstoff Schmerzen lindern konnte.
Bei der homöopathischen Zubereitung wird der frische Wurzelstock der Gelsemium verwendet, um eine Urtinktur zu erstellen. Diese findet sich in potenzierter Form in den untenstehenden Similasan Produkten wieder. Es wird gegen Beschwerden wie Kopfschmerzen und auch bei Lampenfieber eingesetzt.
Wirkt bevorzugt auf:
- das Zentralnervensystem, periphere Nerven, Augenmuskeln, Herz, weibliche Geschlechtsorgane, Magen-Darm-Trakt.
Passt besonders zu:
- Menschen, die überempfindlich auf seelische Belastungen reagieren (Folgen von Schreck, Angst, Aufregung, Examen).
Hauptindikationen:
- Prüfungsangst, Grippe mit Hirnhautreizung
- Migräne
- Kopfweh mit Sehstörungen
- Neuralgien
- Augenlidmuskellähmung
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
- Herzstörungen bei Rauchern
- Periodenschmerzen
- Ausbleibende Presswehen
- Sommergrippe
Besonders wichtig für die Mittelwahl:
Folgen von Schreck, Aufregung, schlechten Nachrichten, Angst und Erregung.
Symptome:
- Zittern
- Schwäche und Durchfall nach seelischer Erregung
- Schreck / Furcht
- schlechte Nachrichten / kann nicht weinen
- Verlangen nach Licht / Schläfrigkeit
- Lähmungsgefühl und Zittern
- Blutandrang zum Kopf (dunkelroter Kopf) / Benommenheit und Hinterhauptschmerzen.
- Mühe, den Kopf aufrecht zu halten
- Zungenlähmung
- Die Kopfschmerzen beginnen im Nacken und ziehen über den Kopf zu den Augen
- Trübsichtigkeit
- Schmerzen in den Augen / Schwäche
- zittern der Muskulatur, daher Herabhängen der Augenlider
Allgemeines:
- Kein Durst
- Langsame Entwicklung der Grippe mit mässigem Fieber (38 °C – 38,5 °C)
- Oft Rückfall am 5. Tag (Sommergrippe)
Modalitäten:
Schlimmer durch:
Wärme, Sonne, Furcht, feuchtes Wetter, Föhn, vor Gewittern, Bewegung (Abwärtsfahren im Lift).
Besser durch:
Reichlichen Harnabgang, frische Luft, alkoholische Getränke, Ruhe.