Conium maculatum
Gefleckter Schierling
Conium maculatum (Gefleckter Schierling) ist eine traditionsreiche Heilpflanze aus der Homöopathie. Der aus den frischen oberirdischen Pflanzenteilen gewonnene Wirkstoff ist unverdünnt hoch giftig und wird vor allem bei Beschwerden eingesetzt, die mit dem Nervensystem, den Schleimhäuten, dem Lymphsystem sowie altersbedingten Veränderungen in Verbindung gebracht werden.
Steckbrief von Conium maculatum
Beschreibung: Conium maculatum, wird auch Schierling, Giftkraut, Mäuseschierling, Stinkkraut oder Wutscherlich genannt. Sie gehört zur Familie der Doldengewächse und ist eine zweijährige Heilpflanze. Der 0.5 bis 2.5m hohe Stängel ist kahl, rund, hohl, bläulich bereift und im unteren Teil meist rot gefleckt. Auch die zwei- bis vierfach gefiederten Laubblätter sind kahl. Die zwittrigen Blüten stehen in einer flachen Dolde, die am Grunde eine vielblättrige Hülle trägt. Alle Teile der Heilpflanze haben einen unangenehm mäuseartigen Geruch.
Blütezeit: Mai bis September
Verbreitung: Europa, Asien, Nordafrika
Standort: Conium maculatum wachst bei Hecken, Zäunen oder Mauern (zerstreut). Man findet sie auch an frischen bis feuchten, meistens stickstoffreichen Ruderalböden oder an Wegrändern.
Besonderheiten: Conium maculatum sei das Gift gewesen, das dem griechischen Philiosophen Sokrates (470 -399 v. Chr.) verabreicht worden sein soll, um seinen Tod herbeizuführen. Das Gift wirkt auf Nerven und Muskeln, was zu Koordinationsstörungen oder Lähmung führen kann. Der Tod durch das Schierlingsgift galt in der griechischen Antike als eher milde und war politischen Straftätern zugedacht. Auch Shakespeare erwähnt Schierling in seiner 1606 geschriebener Tragödie Macbeth (4. Aufzug, 1. Auftritt). Er lässt die Hexen neben anderen Zutaten auch Schierling in den Zaubertrank tun.
verwendeter Teil: frische oberirdische Teile blühender, noch nicht fruchtender Pflanzen von Conium maculatum
wichtige Verwandte: Arnica, Baryta carbonica, Calcarea fluorica, Causticum, Gelsemium, Iodium
Wirkung von Conium maculatum in der Homöopathie
In Conium maculatum sind die Hauptinhaltsstoffe Coniin, N-Methylconiin und γ-Conicein, daneben wenig Conhydrin, Conydrinon, Pseudoconhydrin und 2-Methylconiin enthalten. Der homöopathische Wirkstoff kommt vor allem bei Beschwerden zum Einsatz, die mit dem Lymphsystem oder den Schleimhäuten zusammenhängen. So kommt Conium auch bei Bindehautentzündungen zum Einsatz, bei denen ein Missverhältnis zwischen der starken Lichtempfindlichkeit, die durch die Reizung der Augennerven bedingt ist, und der vergleichsweise schwachen Rötung der Augen auffällt.
Eine Besserung durch Essen ist nicht nur bei Magenbrennen, sondern auch bei Kopfschmerzen durch die Prüfung von Conium belegt. Die Modalität der Besserung durch Essen greift auch bei Zittrigkeit, Gedankenschwäche und Benommenheit des Kopfes einschliesslich des Schwindels.
Auch hat Conium maculatum eine Beziehung zu den Geschlechtsorganen (innersekretorische Drüsen). Bereits im Altertum und im Mittelalter galt der Schierling als ein Anaphrodisiakum. Bereits Hieronymus Bock, ein deutscher Botaniker und Arzt, und der italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattioli (Mathiolus) empfahlen Ordensleuten Schierling, dass sie ihr Keuschheitsgelübde leichter halten können. Nach Kent ist bei sexueller Überreiztheit der Frauen Apis vorzuziehen.
Die Gemütsverfassung von ‹Conium-Menschen› sind gekennzeichnet durch eine Unausgeglichenheit und Disharmonie des innersekretorischen Systems mit dem entsprechenden Äquivalent im Zentralnervensystem. Zu den hervorstechendsten Symptomen von ‹Conium-Menschen› gehören Benommenheit der Gedanken mit Schwindel bei jedem Lagenwechsel sowie Gedächtnisschwäche, Melancholie und Menschenscheue. Hinzu kommen Zittern und lähmige Schwäche der Glieder. Alle Beschwerden verschlimmern sich, wenn der ‹Conium-Patient› nicht rechtzeitig zu essen bekommt. Conium maculatum ist auch eine Heilpflanze, die in der Homöopathie bei betagten oder vorzeitig gealterten Personen nützlich sein kann.
Das Arzneimittelbild von Conium maculatum
Wirkt bevorzugt auf:
- Zentralnervensystem (besonders Rückenmark), Bronchien, Prostata, Lymphdrüsen, Tumoren.
Passt besonders:
- Verdriesslichen, ängstlichen, depressiven Personen und zu menschenscheuen, älteren Leuten.
Hauptindikationen:
- Nachbehandlung von Krebstumoroperationen der Geschlechtsorgane
- Altersbeschwerden
- Prostataleiden, Reiz- und Krampfhusten alter Leute
- Impotenz
- Lymphdrüsenverhärtungen und Tumoren (besonders Brust)
Besonders wichtig für die Mittelwahl:
Folgen von andauender Unterdrückung der Sexualität (insbesondere Tumorbildung in den Geschlechtsorganen) / Tumorbildung nach Gewalteinwirkung (Stoss, Schlag). Symptome verlaufen in aufsteigender Richtung, von unten nach oben.
Symptome:
- Menschenscheu, aber Angst vor dem Alleinsein (im Alter)
- Unfähigkeit zu denken mit Gedächtnisschwäche
- Koordinationsstörungen (Glieder)
- Sprechstörungen (schwere Zunge)
- Schwäche
- Nervöse Störungen durch sexuelle Schwäche oder Überreizung
- Schwindel, als ob das Bett sich drehen würde, durch Aufsitzen oder Drehen im Bett ausgelöst.
- Schwitzen beim Schliessen der Augen oder im ersten Schlaf
- Trockener, krampfartiger Husten von einer kleinen Reizstelle am Kehlkopf ausgehend (besonders bei alten Leuten)
- Brüste schwellen auf, werden hart und schmerzen vor der Menstruation
- Zittrige Schwäche nach Stuhlgang
- Grosse Mattigkeit und Schwäche mit Zittern der Muskeln, besonders in den Beinen
- Mehrmals, plötzlich unterbrochener Strahl beim Urinieren
- Urin fliesst besser im Stehen
- Samenabgang bei geringster sexueller Erregung
Modalitäten:
Schlimmer durch:
Ruhe, Kälte (Schneeluft!) und nachts; Schlaf und geringe Mengen Alkohol. Bewegung (sich umdrehen, sich aufrichten).
Besser durch:
Essen, Dunkelheit