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Mit ihren exotisch anmutenden Blüten gehört die Passionsblume (Passiflora incarnata) zu den eindrucksvollsten Heilpflanzen. Hinter ihrer aussergewöhnlichen Erscheinung verbirgt sich eine Pflanze mit einer faszinierenden Geschichte, vielfältigen Facetten und einer besonderen Stellung in der Naturheilkunde und Homöopathie. Entdecken Sie die botanischen Besonderheiten, die traditionelle Bedeutung und das Arzneimittelbild der Passiflora incarnata.

  • Fleischfarbene Passionsblume
  • Blüte einer fleischfarbenen Passionsblume | © Shu via unsplash

Steckbrief von Passiflora incarnata

Beschreibung: Die mehrjährige Passionsblume, Passiflora incarnata, gehört zur Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae). Sie ist ein immergrüner, ausdauernder Kletterstrauch und entwickelt 2 - 6 m lange, verholzende Triebe. Die Stängel sind eher dünn, innen hohl und längs leicht gerillt. Die Blätter wachsen abwechselnd entlang des Stängels und sind spitz-oval in der Form und dunkelgrün in der Farbe. Die Blüten haben einen dezenten, angenehmen Duft und erreichen einen Durchmesser von 6 - 8 cm. Sie gehören zu den auffälligsten Merkmalen der Heilpflanze. Die Blüte hat fünf grünliche Kelchblätter, deren Innenseite weiss ist, sowie fünf zarte weisse Kronblätter. Besonders charakteristisch ist die sogenannte Nebenkrone: Sie bildet mehrere Reihen feine Fäden, die aussen purpurfarben und innen weiss sind, was der Blüte ein exotisches Aussehen verleiht. Im Mittelpunkt der Blüte ragen fünf grosse Staubblätter hervor, darüber befinden sich drei lange Griffeläste mit den Narben.

Blütezeit: Juni bis September

Verbreitung: Südöstliche USA, Bahamas, Antillen, Mittelamerika

Standort: Die Passionsblume bevorzug sandige bis steinige, trockene, sonnige Standorte. Die Art ist in der Lage, sich durch unterirdische Wurzelausläufer vegetativ zu vermehren.

Besonderheiten: Bereits im 17. Jahrhundert wurde die Passionsblume als Leidensblume Christi bezeichnet. Die drei Narben der Blüte könnten an die drei Nägel der Kreuzigung Christi erinnern und der Fadenkranz an seine Dornenkrone. Deshalb deuteten christliche Missionare die Blütenmerkmale als Insignien der Passion, was sich in der Namensgebung zeigt. So wurde die Pflanze nach der Gattung «Passiflora» benannt, die sich vom lateinischen Wort passio für «Leid» ableitet. Der Artname «incarnata» bedeutet «die Fleisch gewordene».

verwendeter Teil: Verwendet werden die frischen oberirdischen Teile von Passiflora incarnata

Wirkung von Passiflora incarnata in der Homöopathie

Die Passionsblume enthält vor allem Flavonoide, darunter Vitexin, Isovitexin, Apigenin- und Luteolin-Derivate. Daneben wurden weitere Inhaltsstoffe wie Maltol, Ethylmaltol, Passicol und das cyanogene Glykosid Gynocardin nachgewiesen.

Früher nahm man an, dass Harman-Alkaloide zu den Hauptwirkstoffen der Passionsblume gehören. Neuere Untersuchungen mit empfindlichen Analysemethoden konnten diese Annahme jedoch nicht bestätigen oder fanden allenfalls Spuren dieser Stoffe. Heute gelten daher die Flavonoide als die wichtigsten wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe.

Die beruhigenden, hypnotischen und krampflösenden Aktivitäten der Heilpflanze konnten in Tierversuchen bestätigt werden, es ist jedoch noch nicht klar, welche Inhaltsstoffe genau dafür verantwortlich sind.

Die Heilpflanze Passiflora incarnata kommt in der Homöopathie vor allem bei innerer und nervöser Unruhe, bei Reizbarkeit des Nervensystems und bei Schlaflosigkeit in den Einsatz. Auch zur Entwöhnung von Drogen (Morphiumsucht) kann Passiflora eine Unterstützung sein. Die Passionsblume zeigte auch eine gute Wirkung bei Kindern mit grosser psychischer und motorischer Unruhe.

Im Jahr 2011 wurde die Passionsblume von der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres ausgezeichnet. Zur Begründung der Wahl nennt die Universität unter anderem auch folgendes: «Untersuchungen belegen, dass der Extrakt auch eine gute angstlösende Wirkung besitzt, ohne dass dabei muskelentspannende Effekte auftreten – wie es bei vielen Psychopharmaka der Fall ist. Das macht die Passionsblume zu einem Beruhigungsmittel, das sich sehr gut auch tagsüber einsetzen lässt, da es den Menschen in seiner Alltagstauglichkeit nicht beeinträchtigt.»

‹Passiflora-Menschen› finden selten Momente, ihre innere Ruhe zu pflegen oder laufen Gefahr, sich im Alltag zu verlieren. Sie haben Mühe, Bekanntes oder Liebgewordenes loszulassen und können als Folge davon innere Unruhe, Bewegungsunruhe oder Hyperaktivität erleben. Die Passionsblume symbolisiert und schenkt eine Herzensruhe und unterstützt zum einen den Prozess vom Loslassen und stärkt den Menschen so in seiner Mitte.

Das Arzneimittelbild von Passiflora incarnata

Wirkt bevorzugt auf:

Zentralnervensystem

Passt besonders zu:

  • Nervösen, erschöpften, überarbeiteten, neurotischen, frustrierten Menschen (besonders zu Kindern).

Hauptindikationen:

  • Schlaflosigkeit
  • Nervenschwäche
  • Innere Unruhe mit Neigung zu Verkrampfung und Verspannung
  • Als Hilfsmittel beim Entzug von Drogen
  • Krämpfe der verschiedensten Entstehung

Besonders wichtig für die Mittelwahl:

Folgen von schlechten Erlebnissen (Verkrampfung), Drogenmissbrauch.