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Kalium bichromicum ist ein orangeroter synthetischer Stoff, der häufig in Färbereien, Gerbereien und in der Fotografie verwendet wurde. Durch den Umgang mit dieser Substanz wird die Nasenschleimhaut angegriffen, es bilden sich tiefe Geschwüre. Diese und andere Vergiftungserscheinungen führten zur homöopathischen Prüfung und Verwendung von Kalium bichromicum. Dicke und hellhaarige Menschen sollen speziell anfällig gegenüber Schädigungen von Kalium bichromicum sein und benötigen deshalb die homöopathische Zubereitung besonders oft.

  • Illustration Kalium bichromicum
  • Kaliumdichromat | © Adobe Stock

Steckbrief von Kalium bichromicum

Beschreibung: Kaliumdichromat bildet orangerote, nicht hygroskopische Kristalle. Es schmilzt bei 397 °C, wobei es sich schwarz verfärbt und beim Abkühlen und Kristallisieren wieder rötlich wird. Kaliumdichromat löst sich gut in Wasser, jedoch nicht in Alkohol und anderen organischen Lösungsmitteln. Der Name Chrom kommt vom griechischen chroma für Farbe, da die meisten Chromverbindungen, wie auch Kaliumdichromat, schöne Farben aufweisen.

Vorkommen: Kaliumdichromat kommt in der Natur nicht vor, dazu ist es viel zu reaktiv und zu gut wasserlöslich. Das wichtigste chromhaltige Mineral ist der Chromit (Chromeisenstein), ein schwarzes Gestein mit fettigem Metallglanz. Sein Vorkommen ist in Südafrika, der Ex-UdSSR, Albanien, Türkei, Indien, Finnland, Simbabwe, auf den Philippinen und in Brasilien.

Chemische Eigenschaften: Beim Erhitzen über 400 °C zerfällt Kaliumdichromat in Kaliumchromat (K2CrO4), Chromoxid (Cr2O3) und Sauerstoff. Kaliumdichromat wirkt als starkes Oxidationsmittel, deshalb ist beim Kontakt mit brennbaren organischen Stoffen Vorsicht geboten. Es entwickelt mit Salzsäure Chlorgas. Mit Schwefelsäure wird es in der organischen Chemie als Oxidationsmittel eingesetzt. Mit konzentrierter Schwefelsäure gemischt, ergibt sich die so genannte Chromschwefelsäure (Putzsäure), womit sich auch hartnäckige organische Rückstände aus Glasgefässen entfernen lassen.

Bedeutung für Lebewesen: Kaliumdichromat und Kaliumchromat verursachen schlecht heilende Ätzungen auf der Haut und den Schleimhäuten. Eine orale Aufnahme kann Leber- und Nierenschäden, Magen-Darm-Entzündungen, Durchfälle und Kollaps zur Folge haben. Sensibilisierung und allergische Reaktionen sind bekannt. Es besteht der Verdacht auf eine carcinogene (Krebs erregende) Wirkung. Chrom ist ein essentielles Spurenelement, das für den Glucosestoffwechsel von Bedeutung ist.

wichtige Verwandte: Kalium carbonicum, Kalium bromatum, Kalium jodatum

Wirkung und Anwendung von Kalium bichromicum in der Homöopathie

Die allgemeinen Merkmale der Kalium-Familie finden Sie in der Beschreibung von Kalium carbonicum. Auch ‹Kalium-bichromicum-Menschen› brauchen Struktur und Regeln. Es ist wichtig für sie, dass alles in geordneten Bahnen abläuft. Sie möchten keine Schwierigkeiten und sind vor allem am eigenen sowie am Wohlergehen der Familie interessiert. Die verschlossene, zurückhaltende, gewissenhafte und konservative Haltung von ‹Kalium-bichromicum-Menschen› kann man mit dem für dieses Heilmittel typischen, zähen Schleim, welcher in den Nebenhöhlen kleben bleibt, vergleichen. Die spärlichen Gemütssymptome können die Mittelwahl bestätigen, wahlanzeigend ist aber meistens die charakteristische Schleimbeschaffenheit. Das heisst, wenn aus Augen, Nase, Mund, Rachen, Magen oder Scheide dicker, klebriger, fadenziehender Schleim austritt (vergleichbar mit geschmolzenem Käse auf Toast), denkt man sofort an Kalium bichromicum.

Kalium bichromicum ist ein ausserordentlich wichtiges Mittel bei akuten und chronischen Entzündungen des Nasen-Rachenraumes, insbesondere bei Nebenhöhlenentzündungen. Laut Roger Morrison (amerikanischer Homöopath, geb. 1954) soll Kalium bichromicum in 70% aller Kieferhöhlen- und 30% aller Stirnhöhlenentzündungen angezeigt sein. Weitere bestätigende Symptome in diesem Zusammenhang sind folgende: Stirnkopfschmerz, Druck auf der Nasenwurzel, Nasenpolypen, elastische Pfröpfe und Krustenbildung in der Nase. Atemluft, die heiss empfunden wird. Gefühl eines Haares auf der Zunge (vgl. Silicea) oder im Kehlkopf, Gefühl von verstopfter, trockener Nase mit erfolglosem Schnäuzen. Schleimstrasse im Nasen-Rachen-Raum, Mittelohrentzündungen und Tubenkatarrh.

Kopfschmerz an einer kleinen mit einer Fingerkuppe abdeckbaren Stelle oder Migräne mit vorausgehenden Sehstörungen sind ebenfalls Hinweise auf Kalium bichromicum. Rheumatische Beschwerden kommen und gehen plötzlich, wandern rasch von einem Ort zum anderen oder erscheinen abwechslungsweise mit Magenbeschwerden, Durchfall oder Asthma. Bemerkenswert ist, dass sich das Rheuma und die Hautausschläge im Sommer verschlimmern! Die Beschwerden der Atmungsorgane und die Magen-Darm-Probleme verschlimmern sich hingegen bei feuchter Kälte, also oft im Frühling und Herbst.

‹Kalium-bichromicum-Menschen› kleben an einer gewissen Routine. In diesem Zusammenhang kann man sich gut merken, dass auch ihre Beschwerden routinemässig, jeden Tag zur selben Stunde, auftreten. Zum Schluss merken wir uns noch, dass ‹Kalium-bichromicum-Menschen› zu Übergewicht neigen und gerne ausgiebig Bier trinken, obwohl es ihnen schlecht bekommt (Übelkeit und Erbrechen).

Das Arzneimittelbild von Kalium bichromicum

Alle Arzneimittelbilder

Wirkt bevorzugt auf:

  • Die Nase, Nasennebenhöhlen, Mundschleimhaut, Mandeln, Rachen und Kehlkopf.

Passt besonders zu:

  • stillen (introvertierten), dicken und hellhaarigen Patienten (...ist aber keine Voraussetzung für die Verordnung!) Dicke, schlaffe Kinder. Krank aussehende Kinder mit tiefliegenden Augen.

Hauptindikationen:

  • Akute und chronische Nebenhöhlenentzündungen* (auch bei Kindern!), Lidrand- und Bindehautentzündungen
  • Schnupfen
  • Stinknase
  • Nasengeschwüre
  • Zahnfleischentzündungen
  • Mandelentzündungen (chronische)
  • Magen-Darmgeschwüre*
  • Gelenkschmerzen, Ischias, Rheuma

Besonders wichtig für die Mittelwahl

Symptome:

Kopfschmerzen (über den Augen, in der Stirn), Neuralgien, Kopfschmerz täglich zur gleichen Zeit wiederkehrend, Stechen mit Trübsichtigkeit, besser durch Schleimabsonderung / Augenentzündung mit gelbem fadigem Schleim/ Verlust der Geruchswahrnehmung. Nase verstopft. Schwerlösliche,elastische Pfröpfe und Krusten in der Nase. Hitze in der Nase, Atemluft heiss. Geschwüre in der Nase, Löcher in der Nasenscheidewand. Absonderung von zähem, fadenziehendem, klebrigem, meist gelblich- grünem Schleim aus Nase und Mund. Druck über der Nasenwurzel. Stinkender Geruch / Gefühl eines Haares im Kehlkopf oder auf der Zunge. Die Zunge ist dick gelblich belegt. Tiefe Geschwüre im Mund / Brennen in der Harnröhre, tiefliegend, nach dem Urinieren, Gefühl eines zurückbleibenden Tropfens Urin / Sexuelle Unlust bei korpulenten Menschen. Harnwegentzündungen / Gelenk- und Knochenschmerzen (wie wundgeschlagen), wandernd. Ischiasschmerzen kommen und gehen plötzlich. Rheuma, abwechselnd mit Lungen- oder Magenbeschwerden.

Allgemeines:

Der dicke, zähe, fadenziehende Schleim ist bei sämtlichen Schleimhautentzündungen (Augen, Nase, Darm, Scheide) charakteristisch / Schmerzen an kleiner Stelle (mit einem Finger abzudecken!).

Modalitäten:

Schlimmer durch Bier (alle Symptome). Grosse Empfindlichkeit gegen Kälte.

Besser durch frische Luft und Wärme.

 

Bemerkung: Die Kombination mit Cinnabaris hat sich bei Stirn- und Kieferhöhlenbeschwerden sehr bewährt (abwechslungsweise einnehmen).

* = Selbstbehandlung nur in Absprache mit der Ärztin, mit dem Arzt und als erste Hilfe.