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Mezereum ist eine ganz besondere Pflanze aus der Familie der Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae). Sie kann uns bei einem Waldspaziergang im Frühling oder bei mildem Wetter sogar im Winter mit ihrer Blütenpracht und ihrem betörenden Duft überraschen. Zuerst bilden sich zahlreiche Blüten an den verholzten Stämmchen, dann erst erscheinen die Blätter. Die rosaroten Blüten sitzen wie Köpfchen auf den noch kahlen «knochigen» Stängeln. Dies weckt die Assoziation, dass Mezereum ein Heilmittel für Kopf und Knochen sein könnte. Selbstverständlich wählen wir ein Heilmittel nicht aufgrund solcher Signaturen aus, aber wir können uns «ein Bild machen» und die vielen Informationen besser in unserem Hirn speichern. In diesem Zusammenhang merken wir uns, dass Mezereum «böse» (schnell fortschreitende) Hautausschläge heilt, die so rot wie die Farbe der Blüten sind. Typisch für die Mezereum-Hautausschläge ist die Eiterbildung unter dicken Krusten (oft auf der Kopfhaut). Mezereum ist eine sehr giftige Pflanze (arabisch: mazerium = töten), bereits eine leichte Berührung kann die Haut oder Schleimhäute entzünden. Vor den roten, verlockenden Früchten muss man die Kinder unbedingt warnen, weil bereits wenige Beeren eine tödliche Wirkung entfalten können. Giftige Pflanzen kommen in der Homöopathie auch bei «giftigen» Zuständen in Frage. So hilft Mezereum oft bei äusserst schmerzhaften Herpes zoster Erkrankungen: Die Schmerzen sind bohrend, schiessend und brennend (wie verbrüht). Ist die Gürtelrose äusserlich abgeheilt, bleiben aber weiterhin neuralgische Schmerzen zurück, empfiehlt sich die Wahl von Mezereum. Wird bei einem ‹Mezereum-Menschen› ein Hautausschlag unterdrückt (Cortison-Salben), treten oft tieferliegende Beschwerden wie Knochenerkrankungen, Gehörverlust oder Neuralgien auf.

  • Gemeiner Seidelbast, Kellerhals, Zilander | © iStock
  • Illustration Mezereum

Steckbrief von Mezereum

Beschreibung: Der 30 bis 150 cm hohe Strauch besitzt rutenförmige, anliegend behaarte Zweige. Die jungen Zweige sind gelblich bis grünlich braun, die zweijährigen bilden eine braungraue, rissige und weiche Rinde. Die Blätter sitzen nur an der Zweigspitze, sind lanzettlich bis verkehrt-eiförmig, bis 14 cm lang und kurz gestielt. Die violettroten Blüten sitzen zu 1 bis 4 in den Achseln vorjähriger, abgefallener Blätter. Sie erscheinen vor den neuen und bilden einen ährenähnlichen Knäuel. Die einsamige Steinfrucht ist kugelig und zur Reife leuchtend rot. Blütezeit: Februar bis April

Verbreitung: Der Seidelbast besitzt eine europäisch-westasiatische Verbreitung. Im Norden bis zum 68. Breitengrad über Südengland, Norwegen, Finnland und Nordrussland zum Altai-Gebirge. Im Süden von Ostspanien über Kalabrien nach Kleinasien zum Kaukasus. In Nordamerika ist er aus Kulturen verwildert und im Nordosten der USA und im östlichen Kanada anzutreffen. In der ganzen Schweiz, verstärkt im Jura, ist er bis in die subalpine Stufe recht verbreitet, aber nicht häufig.

Standort: Der Seidelbast kommt in Laubwäldern, vorwiegend in Buchenwäldern, seltener auch in Nadelwäldern, auf Felsschutt und in Gebüschen vor. Er liebt feuchte, nährstoffreiche und kalkhaltige Böden. Besonders typische Standorte sind der Orchideen-Buchenwald und der Alpenheckenkirschen-Buchenwald. Dies sind Lebensräume der unteren und montanen Stufe bis ca. 1'200 m ü. d. M. auf eher trockenen, mit Steinen durchsetzten, kalkreichen Böden. Diese Buchenwälder der Hanglagen sind mit weiteren Laubbaumarten und auch mit Nadelbäumen eingemischt.

Besonderheiten: Bei dieser sehr stark giftigen Pflanze sind alle Pflanzenteile, insbesondere die Rinde und die Früchte, sehr giftig. 10 bis 12 Früchte gelten für Erwachsene als tödliche Dosis, bei Kindern reichen schon 2 bis 3. Eingenommene Früchte führen zu Kratzen und Brennen im Mund, Übelkeit, Gesichtsschwellungen, Speichelfluss, Krämpfen, blutigen Durchfällen und zuletzt zu einem Kreislaufkollaps. Hautkontakt mit der Rinde bewirkt Rötungen, Schwellungen, Blasenbildung, bei längerer Einwirkung sogar den nekrotischen Zerfall des Gewebes.

verwendeter Teil: frische oder getrocknete und gepulverte Zweigrinde

wichtige Verwandte: keine

Wirkung und Anwendung von Mezereum in der Homöopathie

Eine Pflanze, die im Winter blüht, fällt aus dem üblichen Rahmen. Genauso unüblich sind die Wärme-Kälte-Modalitäten von ‹Mezereum›. Den Patienten mangelt es an Lebenswärme, sie frieren dauernd, fühlen sich kalt bis auf die Knochen, trotzdem verschlimmern sich z. B. Kopfschmerzen oder Juckreiz durch Wärme. Umgekehrt ist es bei neuralgischen Schmerzen, hier verschlimmert die Kälte.

Mezereum wird ergänzt durch Mercurius (Komplementärmittel). ‹Mercurius-Menschen› sind ebenfalls sehr empfindlich, reagieren auf kleinste Temperaturveränderungen (lebende Thermometer). ‹Mercurius› und ‹Mezereum› haben nächtliche Knochenschmerzen, Neuralgien, Ohren- und Hauterkrankungen im Arzneimittelbild.

‹Mezereum-Menschen› sind wortkarge, ernste Menschen. Sie können stundenlang teilnahmslos aus dem Fenster schauen, sind aber auch imstande zu «gifteln», das heisst, andere Menschen zu ärgern und zu schikanieren. ‹Mezereum-Patienten› erzählen ausserdem von einem leeren, ängstlichen Gefühl, das vom Magen aufsteigt.

Ein enormes Verlangen nach fettem Schinken oder Speck kann eine Mezereum-Verordnung bestätigen.

Das Arzneimittelbild von Mezereum

Alle Arzneimittelbilder

Wirkt bevorzugt auf

  • Haut und periphere Nerven.

Hauptindikationen

Juckende Hautausschläge, Herpes-Erkrankungen (Gürtelrose, Fieberblasen), Neuralgien.

Besonders wichtig für die Mittelwahl

Folgen von Ärger (Kopfschmerzen), Kummer, Sorgen (Gürtelrose).

Symptome:

Angst wird im Magen empfunden / Kopfschmerzen in Schädelknochen, sehr berührungsempfindlich. Kältegefühl (wie Wind) in den Ohren (Ohren wie verstopft). Zunge wund, wie verbrannt, mit Bläschen / Haare kleben zusammen. Hautausschlag auf dem Kopf mit weissen Schuppen. Bläschenausschlag (oft nässend) mit Krustenbildung und darunter Eiteransammlung (auch auf der Kopfhaut) / Juckreiz bei alten Leuten (auch ohne Ausschlag). Hautausschläge mit brennenden, schiessen den Schmerzen und unerträglichem Jucken / Nachts Schmerzen in den langen Knochen, besonders im Schienbein.

Allgemeines:

Kältegefühl in den befallenen Körperteilen mit ausserordentlicher Empfindlichkeit gegenüber Kälte (Schmerzen mit Frösteln an kalter Luft) / Verlangen nach Fett.

Modalitäten:

Schlimmer durch Kälte (besonders kalte Luft) einerseits und durch Bettwärme andererseits, Berührung (Kopfschmerzen und Hautausschlag).