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Die symbolträchtige Heilpflanze Hypericum perforatum (Johanniskraut) hat eine lange Verwendungsgeschichte. Unter anderem wurde sie bereits vor mehreren hundert Jahren bei somatischen und psychischen Leiden verwendet. In der Homöopathie wird das Johanniskraut hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Nervensystem eingesetzt – bei Verletzungen oder Verstimmungen. Die Heilpflanze ist vielerorts anzutreffen und hat eine besondere Beziehung zur altgermanischen Sonnwendkultur.

  • gelbe Blüte Johanniskraut
  • Hypericum / Johanniskraut Blüte und Pflanze

Steckbrief von Hypericum perforatum

Beschreibung: Das goldgelbe Johanniskraut wird 30 bis 80 cm hoch und besitzt einen reich verzweigten Stängel mit zwei Längskanten. Die Blätter sind länglich-oval bis lineal, 1 bis 2 cm lang, sitzend und ganzrandig. Der Rand ist oft nach unten gebogen. Die Blattfläche ist dem Namen entsprechend perforiert, das heisst, gegen das Licht gehalten mit dichten, durchscheinend feinen Punkten versehen. Der 4 bis 5 mm lange Kelch ist fein zugespitzt und ganzrandig. Die Kronblätter sind 3- bis 4-mal so lang wie der Kelch, einseitig gezähnt und gelb.

Das Johanniskraut begleitet die Menschen seit der Antike und gilt als Pflanze des Lichts. Nicht zuletzt wegen seiner Farbe und Form. Denn diese ähnelt der Sonne. Passend dazu, erreicht das Johanniskraut seine volle Blütenpracht in der Zeit der Sommersonnenwende (Geburtsfest von Johannes dem Täufer am 24. Juni). Paracelsus meinte, es sei nicht möglich, eine bessere Arznei für Wunden in allen Ländern zu finden.

Blütezeit: Juni bis September

Verbreitung: Das Echte Johanniskraut ist in ganz Europa, Westasien, auf den Kanaren und in Nordafrika heimisch. Heute ist es weltweit verschleppt und eingebürgert, so in Ostasien, Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. In der Schweiz ist die Pflanze vorwiegend im Tiefland verbreitet und steigt bis in die subalpine Stufe. Die Art wird in Osteuropa und Westsibirien angebaut.

Standort: Diese Johanniskraut-Art kommt in Trockenwiesen, an Waldrändern und in Waldlichtungen vor. Ein typischer natürlicher Lebensraum ist die trockenwarme Silikatschuttflur, wo sich der Boden aus relativ stabilem Silikatgestein und Feinerde zusammensetzt, der im Sommer stark  austrocknet. Diverse vom Menschen beeinflusste Biotope ähneln diesem Lebensraum und fungieren als Ersatzstandorte. Strassenböschungen, Steinbrüche und Kiesgruben sowie Bahnschotter entlang der Gleisanlagen sind solche vom Menschen geschaffene Biotope.

Besonderheiten: Die Gattung Hypericum ist die grösste innerhalb der Hypericaceae mit knapp 500 Arten. Die anderen rund 120 Arten verteilen sich auf neun weitere Gattungen und sind vorwiegend in den Tropen zuhause. Entsprechend exotisch klingen ihre Namen: Harungana und  Psorospermum aus Afrika und Madagaskar, Cratoxylum aus dem indomalayischen Raum und Santomasia sowie Thorea aus Guatemala und Mexiko.

Beschreibung von Hypericum in der Homöopathie

Das Johanniskraut ist eine symbolträchtige Pflanze. Der Name soll sich von Johannes dem Täufer herleiten, dessen Blut in die gelben Blüten geflossen sei. Zerreibt man die Blüten zwischen den Fingern, tritt blutroter Saft aus, ein wichtiges Erkennungsmerkmal dieser Pflanze. Wer bei der Bestimmung eine zusätzliche Bestätigung möchte, hält die grünen Blätter ans Licht und entdeckt, dass sie wie durchlöchert aussehen (deshalb die Bezeichnung «perforatum»). Der Schein trügt allerdings, es sind keine Löcher, sondern die schwarzen Hypericin-Speicherzellen verursachen diese Täuschung. In der Signaturenlehre werden die scheinbar durchstochenen Blätter als Hinweis auf die Heilkraft bei Stichverletzungen interpretiert. Tatsächlich hat sich Hypericum zur Behandlung von Stichwunden bewährt und wird sogar zur Tetanus-Prophylaxe erfolgreich eingesetzt.

Das Johanniskraut begleitet die Menschen seit der Antike und gilt als Pflanze des Lichts. Nicht zuletzt wegen seiner Farbe und Form. Denn diese ähnelt der Sonne. Passend dazu, erreicht das Johanniskraut seine volle Blütenpracht in der Zeit der Sommersonnenwende (Geburtsfest von Johannes dem Täufer am 24. Juni). Paracelsus meinte, es sei nicht möglich, eine bessere Arznei für Wunden in allen Ländern zu finden.

«Ich brauche etwas, was mich heraushebt, zurück ans Licht bringt» ist der Wunsch von ‹Hypericum-Patienten› (hyper aus dem Griechischen bedeutet über), das heisst, auch der Name des Mittels stimmt mit diesem Konzept überein. Oberhalb der Nebelgrenze herrscht das Licht, die Sicht wird klar. Menschen, die Hypericum benötigen, sehnen sich nach Licht und Sonne, Klarheit und Zuversicht. Sie beschäftigen sich mit Religion, meditieren stundenlang und fühlen sich dabei am besten; sie fühlen sich erhoben, erleuchtet. Asthma im Nebel ist ein interessantes «Hypericum-Symptom». Es geht dabei nicht um die Feuchtigkeit, sondern wirklich um den Nebel, der Asthma auslöst oder verschlimmert. Nebel ist langweilig, die Sicht ist getrübt, man findet den Weg nicht mehr, die Klarheit ist weg. Hypericum ist ein wunderbares Heilmittel bei «Winterblues». In der Phytotherapie ist die stimmungsaufhellende, antidepressive Wirkung bei leichten und mittelschweren Depressionen wissenschaftlich belegt.

‹Hypericum-Menschen› haben Angst zu fallen, abzustürzen und nicht mehr aufstehen zu können. Auch das passt gut zum Konzept, ein Absturz ist für Menschen, die nach oben wollen, etwas Bedrohliches. Das Verlangen nach Wein oder die Abneigung gegenüber Wein lässt sich ebenfalls gut erklären: Wein kann Klarheit bringen (in vino veritas) oder völlig benebeln.

Wirkung von Hypericum in der Homöopathie

Über Hypericum wird gesagt, dass es dunkle Gedanken vertreibt. Es macht aufnahmefähiger für Licht und bringt dadurch mehr Sonne in unseren Körper. Die Heilpflanze scheint die Fähigkeit zu haben, das Sonnenlicht aufzunehmen und zu speichern. So intensiv, dass eine Überdosis eines nicht homöopathisch zubereiteten Johanniskrautpräparates eine erhöhte Lichtempfindlichkeit (Sonnenallergie) auslösen kann. In homöopathischer Zubereitung wird Hypericum hingegen erfolgreich bei Sonnenallergie eingesetzt (Ähnliches heilt Ähnliches).

Johanniskraut hemmt Entzündungen und fördert die Wundheilung. Die enthaltenen Hypericine arbeiten gegen Viren, das Hyperforin bekämpft Bakterien. Zudem wirkt die Pflanze schmerzstillend und fördert die Selbstheilung des Körpers.

Verwendung von Hypericum in der Homöopathie

Hypericum wird in der Homöopathie im Zusammenhang mit Nerven eingesetzt. Es ist das Parademittel bei Verletzungen stark innervierter Körperteile wie Lippen, Finger, Steissbein und Genitalbereich. Auf den Punkt gebracht, Hypericum ist meistens angezeigt, wenn es so richtig weh tut, respektive dort, wo viele Nerven zusammenkommen. Die Schmerzen erstrecken sich aufwärts (wie könnte es anders sein) entlang der Nervenbahnen und sind buchstäblich zum Hochfahren. Die besondere Beziehung zum Nervensystem macht Hypericum auch zu einem sehr wichtigen Heilmittel bei Hirn- und Rückenmarkerschütterungen oder Schleudertraumata, bei depressiven Verstimmungen oder Niedergeschlagenheit nach Verletzungen.

Zur Herstellung der homöopathischen Urtinktur wird der frische, oberirdische Teil der blühenden Pflanze verwendet.

Das Arzneimittelbild von Hypericum perforatum

Alle Arzneimittelbilder

Wirkt bevorzugt auf:

  • das Zentralnervensystem, Nerven in Haut und Gliedern, Haut und Bindegewebe

Passt besonders zu:

  • traurigen, verstimmten Menschen

Hauptindikationen:

  • Schmerzen nach Verletzungen
  • Nervenverletzungen* (heftige Schmerzen)
  • Stichwunden*
  • Sonnenallergie
  • Depressionen*
  • Gürtelrose*

Besonders wichtig für die Mittelwahl

  • Folgen von Erschütterungen des Gehirns* und Rückenmarks* (Wirbelsäule sehr druckempfindlich)
  • Spätfolgen von Nervenverletzungen (Operationen / Unfälle)
  • Sonnenbestrahlung

Symptome:

  • Depressionen* (funktionelle, arteriosklerotische)
  • Verwirrtheit
  • Gedächtnisschwäche
  • Pulsieren im Scheitel
  • Fingerspitzenverletzungen
  • Steissbeinschmerzen (besonders nach Verletzungen oder im Wochenbett)
  • Schmerzhafte Verletzungen (Nervenverletzungen), Wunden
  • Hautausschläge nach Sonnenbestrahlung (Sonnenallergie)
  • Möchte heraus aus der Dunkelheit (Nebel) ans Licht

Allgemeines:

Schiessende, den Nervenbahnen entlanglaufende Schmerzen.

Modalitäten:

Schlimmer durch:
Nebel, Feuchtigkeit und Kälte.

Besser durch:
Meditation, ruhiges Liegen

* = Selbstbehandlung nur in Absprache mit der Ärztin, mit dem Arzt und als erste Hilfe.