Winterzeit ist Sprossenzeit

Jetzt im Winter, wo es im Garten nicht so viel zu ernten gibt, bietet sich eine tolle und schnelle Alternative für Indoor-Gärtner! Denn aufgepasst!

Sprossen sind gesund und voller Inhaltsstoffe. Noch besser sind «Micro Greens». Das sind die jungen Pflänzchen aus schnellwachsenden Gemüsesamen, die es in sich haben. Denn, sie besitzen bis zu vier Mal mehr Vitamine und gesunde Inhaltsstoffe, wie ihre ausgewachsenen Verwandten aus dem Freiland! Zudem strotzen sie geradezu vor Geschmack.

Aussäen, wachsen lassen und in kurzer Zeit volle Vitamin- und Mineralstoffpower sowie gesunde Antioxidantien genießen. Los geht’s!

Alles was man benötigt ist ein wenig gute Erde ein kleines Gefäß, gute Samen und ein paar Tage Geduld. Micro Greens sind toll über den Salat gestreut, auf dem Butter- und Pausenbrot und geben fertig gekochtem Gemüse oder Fleisch den ultimativen Geschmackskick. Und da das Ganze so schnell wächst, haben vor allem Kinder an der Anzucht sehr viel Spaß. Ein weiterer toller Nebeneffekt: Das zarte, gesunde junge Grün ist stets in der Küche oder direkt von der Fensterbank erntebereit.

Alles was an Kräutern und Gemüsesprossen in 5 bis 10 Tagen keimt und schnell wächst, ist ideal für Micro Greens geeignet. Besonders gut und gleichzeitig sehr würzig-aromatisch sind: Kresse, Radieschen, Rucola, Basilikum, Brokkoli, Fenchel, Buchweizen, Erbsen, Linsen, Mungbohnen, Asiasalat, Randen, Sojabohnen, Koriander, Sesam, Sonnenblumenkerne und Senfsamen, um nur einige zu nennen.

Und so geht’s!

Für die Anzucht von Grünsprossen braucht man geeignete Anzuchtschalen oder Töpfe, sowie gute Erde oder Watte, Küchenpapier oder Vlies. Als Anzuchtschalen sind Holz und Kunststoffkisten, kleine Aluschalen oder auch tiefe Backbleche gut geeignet. Die Gefäße müssen gut gereinigt sein, um den Befall mit Keimlingskrankheiten zu vermeiden. Wählt man Erde als Substrat, ist Bio-Anzuchterde zu empfehlen. Zunächst füllt man die Gefäße mit einer 1–2 cm dicken Schicht Erde. Alternativ legt man sie mit Watte, Küchenpapier oder Kulturmatten aus. Die Unterlage wird gut angefeuchtet, ohne sie zu stark mit Wasser zu durchtränken, sonst kann es zu Schimmel führen. Große Samen wie Linsen, Erbsen, Bohnen oder Sonnenblumen weicht man über Nacht in lauwarmem Wasser ein und spült sie vor der Aussaat mit klarem Wasser ab. Dann legt man die Samen dicht an dicht auf die Unterlage. Kleineres Saatgut wird in einem Küchensieb gut durchgespült und direkt in das Gefäß gesät. Da schon im Keimblattstadium geerntet wird, brauchen die Sämlinge viel weniger Platz als im Gemüsegarten.  Die Samen werden gleichmäßig auf der Oberfläche verteilt und mit Papier abgedeckt. Küchenrolle oder Zeitungspapier sind ideal, denn sie sind relativ fest und können gut durchfeuchtet werden. Nun stellt man die Schalen ein bis zwei Tage dunkel auf, bis die Keimlinge das Papier nach oben drücken. Dann nimmt man das Papier wieder ab, denn die Keimlinge benötigen jetzt unbedingt Tageslicht, um ihre Keimblätter entfalten zu können. Wichtig ist es, während der ganzen Anzuchtzeit die Erde gleichmäßig feucht zu halten, denn die Sprossen dürfen während ihrer Entwicklung nicht austrocknen. Doch auch zu viel Nässe tut den jungen Pflanzen nicht gut. Deshalb gießt man überschüssiges Wasser unbedingt ab. Nachdem sich die Keimblätter der Sprossen vollständig entfaltet haben, wachsen die sogenannten Primärblätter. Das ist der Zeitpunkt für die Ernte. Man schneidet die Sprossen einfach mit einer Küchenschere ab. Wachsen sie auf Watte oder auf Matten, werden die Sprossen mitsamt den Wurzeln gezogen. Hängen noch Samenhülsen an den Keimblättern, kann man sie einfach entfernen, indem man die geernteten Sprossen in eine Schale mit kaltem Wasser legt. Die leichten Hülsen steigen dann an die Wasseroberfläche und lassen sich leicht abgießen. Grünsprossen werden nach der Ernte am besten gleich frisch verarbeitet beziehungsweise direkt gegessen. Im Kühlschrank können sie ein bis zwei Tage gelagert werden.

Micro Greens von der Fensterbank versorgen uns mit Mineralstoffen und Vitaminen, und unterstützen vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit eine ausgewogene und nachhaltige Ernährung. Regional, saisonal, von der Küche frisch auf den Tisch!

Remo Vetter, schreibt Gartenkolumnen für Similasan. Als Gartengestalter, Referent und Buchautor unterwegs. Langjährige Vortrags- und Seminartätigkeit. Realisierte Gartenprojekte in der Schweiz, in England und Irland. Vortrage im In- und Ausland über Nachhaltigkeit, Naturzusammenhänge, Entschleunigung und Sinnfindung. Zahlreiche Auftritte in Radio, Fernsehen und Printmedien im In- und Ausland. www.thelazygardener.ch

Buchtipp: «The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse» ISBN 978-3-03800-975-7